Auch heuer findet unser inzwischen schon traditionelles Forum in Graz Lustbühel statt, inzwischen dürfen wir schon das „4.0“ als Verannstaltungsnummer vergeben! Auch das Datum ist neu, erstmalig findet es am 15.10. statt, ein Donnerstag.
Das Programm wird heuer im ersten Teil durch eine Dopplemoderation Planung und Zertifizierung eröffnet, im Mittelpunkt das Zertifizierungs-System der ÖGNI als gut geeignetes Tool, um bereits in der Planung die richtigen Schritte zu setzen und die Stakeholder entsprechend einzubinden, um tatsächlich nachhaltig zu bauen.
Es zeigt sich in der Planungspraxis, dass das Planen und Bauen nach gesetzlichen Richtlinien nur Mindeststandards ergibt, die sich im Nachgang nach Fertigstellung nicht erwartunsgemäß zertifizieren lassen. Das betrifft alle Zertifizierungssysteme, wobei auch bei Klimaaktiv keine Chance besteht, auch nur die Musskriterien zu erfüllen, wenn nicht vorab im Planungsprozess die richtigen Stellschrauben angezogen wurden.
Das ist im Falle besonders bedauerlich, weil damit dem Projektentwickler, dem Investor bzw. dem Betreiber Möglichkeiten zur steuerlichen Begünstigung verwehrt bleiben und so die Wirtschaflichkeit des Projektes leidet. Die ökonomischen Möglichkeiten können nicht ausgeschöpft werden, wobei es abgesehen vom nachhaltigen Grundgedanken oft nur kleine Investitionen gebraucht hätte, um die entsprechenden Werte zu erreichen.
„Wissen ist Macht – nichts wissen macht auch nichts“ ist genau das, was heute keinesfalls der Ansatz im nachhaltigen Handeln sein kann: je mehr Wissen am Anfang eines Planungsprozesse einfließt, desto höher fällt der Grad der Nachhaltigkeit aus und umso wirtschaftlicher sind der Betrieb und damit der Wert der Immobilie. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit stehen sich nicht diametral gegenüber – im Gegenteil, bei Kostenwahrheit aller Komponenten zeigt sich, wie wirtschaftlich sinnvoll Nachhaltigkeit ist.
Um die Faktoren einer nachhaltigen Planung für den Planenden und die Stakeholder greifbar zu machen, sind Tools notwendig – die Transformation der nachhaltigen Absicht in greifbare Maßnahmen ist eine Herausforderung, die Redukion der Vielschichtigkeit des Problems auf eine fassbare Anzahl von Kriterien wesentlich. Nicht umsonst haben sich auch die Kriterienkataloge der Zertifizierung in der Anzahl der Kriterien reduziert. Nicht zu vergessen die Zielkonflikte, welche unweigerlich auftreten, wenn Maßnahmen priorisiert und über gewissen Schwellenwerte hinaus verschoben werden. Wer kennt das nicht? Macht es Sinn, denn Schirm den ganzen Tag mit sich zu tragen, weil es vielleicht regnet – oder ist es besser, die Energie dafür zu sparen und im Extremfall einfach nass zu werden?
In unsere gebauten Umwelt manifestieren sich Entscheidungen in der Planung für sehr lange Zeit – der Einfluss der Architektur auf den Menschen ist erheblich und bleibt präsent bis zum Rückbau der Gebäude. Wenn wir uns für unsere Bauwerke lange Lebenszeiten wünschen, durch die Architektur Umnutzungen möglich machen, ein Anpassen an veränderte klimatische Bedingungen erlauben sind wir sehr lange mit dem Gebäude konfrontiert. Daraus erwächst Verantwortung, der wir uns als Planende oft nicht bewusst sind. Da helfen Zertifizierungssysteme als Krücke, sie denken schon vor, was in Zukunft möglich sein könnte und erlauben uns besser hinterfagte Planungsschritte. Diese Systeme werden von vielen Menschen mit unterschiedlichster Expertise erdacht und formuliert, ein Thinktank, aus dem wir schöpfen können und der auch den jolistischen Ansatz der Nachhaltigkeit widerspiegelt.
Somit freue ich mich auf den Einstieg ins Forum 4.0 im Oktober 2026 und auf die Vorbereitung des Vortrages gemeinsam mit Florian Wehrberger, der mir in den letzten Jahren mit dem Zertifizierungssystem der ÖGNI sehr viel zum Thema Nachhaltigkeit und Bauen vermittelt hat!
Johann Blinowski-Plch, März 2026
